Wultschger, Tschoje, tschodrat

Kürzlich war ich oberhalb der Brücke am Eis unterwegs. Es war einer dieser Tage, an denen eines der Rennen der HolländerInnen stattfand. Ich war noch nicht weit geschlittert, als ein kleines Wesen meine Aufmerksamkeit erregte: Ein Maulwurf hatte sich aufs Eis verirrt und versuchte so eifrig wie vergeblich, ein Loch ins Eis zu graben. Der Maulwurf: Er wird ja auf „gut“ Kärntnerisch „Wultschger“ genannt. 

Es ist eines von vielen Worten, die ich als Mundart gelernt habe und von denen ich vermute, dass sie slowenischen Ursprungs sind. Zwar konnte das eine Freundin von mir, die aus einer kärntner-slowenischen Familie ist, nicht direkt bestätigen. Ihre Vermutung aber halte ich für ausgesprochen passend: sie meinte, der Mundartbegriff könnte von „i wult“, dem „eifrigen Willen“ kommen. Eifrig war der kleine Wicht in der Tat, nur dass das Eis sogar für seinen Eifer zu hart war. Wir beförderten ihn also an Land, auf dass sein Eifer Früchte tragen möge.

Was eine kleine Anekdote sein sollte, wurde leider angesichts der aktuellen politischen Ereignisse in Kärnten zu einem Symbol. Ein wahrlich überfälliger Satz hätte in die neue Kärntner Landesverfassung (endlich!) aufgenommen werden sollen: „Die Fürsorge des Landes und der Gemeinden gilt den deutsch- und slowenischsprachigen Landsleuten gleichermaßen.“ Das war anscheinend zu viel für die Kärntner ÖVP, und schon gar für deren Obmann. Letztlich offenbahrte sich in seiner Positionierung ein wahrlich seltsamer Politik-Zugang: Er schob Menschen vor, die das nicht verstehen verstehen würden, weshalb auch er auf einmal dagegen sein müsse – obwohl er noch kurz davor dafür war.

Daran ärgern mich mehrere Dinge wirkich maßlos:

Erstens ist Deutsch (oder was in Kärnten halt als Deutsch angesehen wird…) ohnehin die Mehrheitssprache. Slowenisch spricht (leider!) nur noch eine verschwindend kleine Minderheit – und doch sollen sich deutschsprachige KärntnerInnen immer noch in ihrer Existenz bedroht fühlen? Hey, Ihr habt den Machtkampf ohnehin schon gewonnen, hört bitte endlich auf, Euch als Opfer zu gerieren. Ex-Yugoslawien ist auch schon vor ein paar Järchen untergegangen und Slowenien macht nun wahrlich keine Anstalten, Territorien in Kärntern zurückzuerobern. Außerdem sind wir in der EU, verflixt und zugenäht! Vor allem: obwohl die Kultur der Kärntner SlowenInnen inzwischen unterzugehen droht, fühlt Ihr Euch immer noch davon bedroht? 

Zweitens bzw. vor allem ist die Kärntner Mundart voll von slowenischen Worten: tschodrat sind die Haare in der derzeitigen Jahreszeit meistens, wenn man eine Haube abnimmt – urdeutsch ist dieses Wort ganz sicher nicht! Eindeutiger ist es bei der Tschoje, die auf Slowenisch Šoja heißt. Auch tschentschen ist so kärntnerisch wie zwiln (wie ein Schwein) – für beides lassen sich Entsprechungen im Slowenischen finden. 

Es gibt so viele Worte in der Kärntner Mundart, in Namen oder Flurnamen, die eindeutig Slowenisch klingen, so dass es geradezu absurd ist, das Slowenische nicht als Teil Kärntens anzusehen, ganz zu schweigen von den Kärntner SlowenInnen. Btw wer sich mit der Kärntner Geschichte beschäftigt, weiß, dass das Bavarische erst nach dem Slawischen nach Kärnten kam.

Ich jedenfalls finde es immer wieder spannend, wenn ich diese slowenische Vergangenheit in den vielen Mundart-Worten zurückzuvollziehen lerne. Letzthin sagte mir eine Kärnter Bekannte, dass sie lange nicht wusste, wie sich die Tschoje denn nun schreibt – um herauszufinden, dass es sich um den Eichelhäher handelt. So viel zum „einsprachigen“, deutschen Gebiet Kärnten…: dieses ist nicht mehr und nicht weniger als ein Mythos!  

Bitte können wir (Deutschsprachigen) uns also endlich darauf einigen, dass Slowenisch Teil unseres Erbes ist, es uns von daher wahrlich nicht bedroht, sondern vielmehr lebendiger Teil unserer Sprache und unseres Lebens ist!

Zurück in die Erinnerung

So schwierig, wenn nicht geradezu unmöglich es mir in meiner Vorstellung vorkam, so klar war mir, dass ich es tun würde, als es so weit war: ich zog ins Zimmer meiner Oma ein.  So schwierig es war, so stimmig war es auch. Viele Jahre hatte ich als Kind in diesem Zimmer geschlafen, im alten Ehebett, das ich nach dem Tod meines Großvaters mit der Oma teilte, wenn ich am Weißensee war.

Dort wieder zu schlafen war von daher so etwas wie eine Rückkehr für mich, auch wenn sich dieses Wort so unheimlich wie falsch anfühlt. Denn das Ehebett war schon lange weg, ersetzt durch ein Einzelbett für die Oma, auch der alte Kleiderschrank war schon vor langer Zeit durch einen neuen ersetzt worden. Ich mochte die neue Einrichtung, das schöne Kirschholz.

Als ich ankam, hatte die frühere Pflegerin Ileana das Bett im Bettzeug der Oma überzogen. So stimmig es sich für mich anfühlte: Das war zu viel für mich. Also überzog ich es mit jener Bettwäsche, die ich mit den alten, leider vergangenen Zeiten mit der Oma verband. Dann kroch ich in das feine Bett und blickte mich um. In Sichtweite hingen viele schöne Bilder der Familie, von meinem Großvater, meiner Mutter und meinem Vater. Am häufigsten aber sah ich mich selbst:  Als Baby, als Kind, als Teenager, als Erwachsene. Ach, war ich gerührt, als ich sah, wie sehr meine große Liebe zu ihr nun in vielen Spiegelbildern zu mir zurück leuchtete!

Also begann ich damit, Bilder, auf denen ich allein zu sehen war, durch Bilder von ihr auszutauschen. So oft, wie sie mich sah, wollte ich auch sie sehen. Also stellte ich noch einige andere Bilder aufs Regal am Fußende vom Bett. Dieser Austausch ging recht schnell von Statten. Inzwischen schlafe ich wirklich gern in ihrem Bett, denn ich fühle mich ihr so weiterhin nahe. Zugleich habe ich nun am Weißensee mein eigenes Reich – bitte verzeih mir Oma, was würde ich geben, wenn ich dieses Reich gegen Dich eintauschen könnte!

Irgendwann begann ich auch ihren Schrank zu begutachten, denn ich brauchte Platz, um meine eigene Kleidung zu verstauen. Welche Erinnerungen Kleidungsstücke auslösen können! Mir fällt „a Schurz“ in die Hände, den sie so oft getragen hatte, als ich klein war. Oder Kopftücher. An manchen Kleidungsstücken finde ich Haare von ihr – ich lasse sie dort, denn irgendwie scheint sie mir damit doch noch nahe zu sein. Ihr Tablettenkaroussel fällt mit in die Hände. Ich nehme es heraus und sehe es mir an: ihre Tabletten sind eingeordnet, wie es sich gehört, so als würde sie am nächsten Tag doch wieder ihre „Tablettn“ nehmen. Und doch wird sie das nie wieder tun. Die Erinnerungen aber bleiben – und die guten Erinnerungen werden die traurigen irgendwann verdrängen. Denn sie war einfach eine tolle Frau und ich bin sehr froh, dass ich sie als Oma hatte. Meeeine Ooooma!

Hin- und hergerissen

„Glaubst Du eigentlich?“, fragte mich kürzlich mein Vater. „Wie meinst du das? Bzw. woran?“, fragte ich zurück, weil ich mir nicht so sicher war, welche Richtung die Diskussion nun nehmen würde. Zwar habe ich mit meinem Vater immer wieder über Religion gesprochen, der Zugang aber war theoretisch – er ist ja nicht umsonst Wissenschaftler.  Deshalb haben wir auch noch nie darüber gesprochen, welchen Bezug wir selbst zur Religion haben, von philosophischen Fragen abgesehen.

Vermutlich ist das auch der Grund, warum es ihm zunächst nicht leicht fiel, seine Gedanken in Worte zu fassen. Dazu kommt, dass seine Erinnerung an die letzten Woche aufgrund der Medikamente bisweilen etwas chaotisch ist. „Dass zu Weihnachten das Konzert in der Elbphilharmonie war“, sagte er. Die zeitliche Zuordnung ist zwar falsch, doch es war in der Tat ein Zufall, dass es ihm bei der Eröffnung der Elbphilharmonie schon wieder so gut ging, dass er sich die TV-Übertragung tatsächlich mit uns ansehen konnte. Wie sehr er das genoss, wie sehr er aufblühte: Das hat mich unheimlich berührt.

Schwerer fiel es ihm, einen anderen Gedanken zu formulieren: Dass es ein wahrlich grandioser Zufall ist, dass ich derzeit einen Job habe, der es mir ermöglicht, viel Zeit bei und mit ihm zu verbringen – und doch weiter meiner Arbeit nachzugehen.

Es ist schon eine Weile her, als zwei Vertreterinnen des mobilen Palliativteams Kärnten bei uns zu Besuch waren – noch so ein Zufall, dass wir in einem Land leben, in dem eine so tolle Begleitung durch diese schwere Zeit dazu gehört. Die Ärztin fragte mich, ob es mir möglich ist, Pflegeurlaub zu nehmen. Da ich selbständig bin, kann ich das zwar leider nicht. Zugleich bin ich unheimlich froh, dass ich weiter arbeiten kann. Denn so schwer es bisweilen war, mich freizustrampeln: Es hat sich für mich gelohnt.

Die mindestens so Herausforderung in einer solchen Situation ist es nämlich, sich selbst nicht zu verlieren. Denn es ist wirklich sehr verführerisch: Aufgrund der Krankheit lässt mein Vater so manche Schranken fallen, weshalb ich ihm auf einmal so nahe sein kann, wie ich es nie für möglich gehalten häte. Wie gesagt, er ist eben ein Wissenschaftler – mehr noch: ein Naturwissenschaftler. Deshalb hat er sich auch mit Emotionen immer sehr schwer getan, zumindest so weit ich zurückdenken kann. Dass dem nicht immer so war, das beweist meine Existenz – und diese Sicherheit nehme ich aus vielen Geschichten meiner Mutter, aber auch aus Fotos und sogar Filmen, die es aus meinen Kindheitstagen gibt, die nur jemand einfangen kann, der eine tiefe Zuneigung für die gefilmten Personen empfindet.

Dass er sich mit Gefühlen schwer tat und immer noch tut, das liegt sicher auch an seinem schwierigen Lebensweg. Umso mehr genieße ich diese Nähe, die er nun endlich zulässt, genieße die Momente, in denen er mich in sein tiefstes Inneres blicken lässt. Oder um es in den Worten einer sehr guten Freundin auszudrücken: Ich genieße die Vater-Tochter-Quality-Time, die über so viele Jahre gefehlt hat.

Und doch lauert darin eine große Gefahr in Form des HelferInnen- und RetterInnensyndroms. Ich kann es unheimlich gut nachvollziehen, dass man bzw. meist frau ihr ganzes Leben dem widmet, die andere, kranke Person möglichst gut zu versorgen, zu unterhalten, ihr möglichst jeden Schmerz zu nehmen, um in der kurzen Zeit noch möglichst viel Zuneigung genießen zu können – letztlich um dieser Person einfach noch so lange und so nahe wie möglich zu sein. So nachvollziehbar das ist, so sehr kann es eine Selbstaufopferung sein.

Im Moment ist mein Vater leider wieder im Krankenhaus, dem vorangegangen sind große Krisen, die meine Mutter und mich immer hilfloser werden ließen. „Das geht über unsere Kräfte hinaus“: Diesen Satz sprachen wir immer öfter offen aus – ohne jedoch einen Ausweg zu finden. Ich bin versucht zu sagen, dass ihn mein Vater geradezu erzwungen hat. Rückblickend frage ich mich, ob wir die Signale nicht früher erkennen hätten müssen. Ob wir nicht früher mehr professionelle Unterstützung in Anspruch hätten nehmen sollen.

Doch welchen Regeln soll man denn folgen, wenn allein schon eine Krebserkrankung keine Regeln hat außer jener, dass es keine gibt? Wenn jeder Tag anders sein kann – und man daraus immer und immer wieder Hoffnung schöpft, denn so schlimm es heute ist, so gut kann es am nächsten Tag sein? 

Ich bin jedenfalls froh, dass sowohl meine Mutter als auch unsere treue Seele Ileana (die schon meine Oma gepflegt hat und nun meinen Vater pflegt) so wie ich trotz allem weiterhin optimistisch und kämpferisch bleiben.

Erneut kann man sich aber allzu sehr an den Optimismus und den Kampfgeist festklammern – und dabei auf sich selbst vergessen. Warum das problematisch ist? Einerseits, weil einer klarerweise irgendwann die Kräfte ausgehen. Andererseits, weil man die kranke Person nicht mehr als handelnde Person wahrnimmt bzw. Gefahr läuft, sie zu enmündigen. 

Denn eine kranke Person ist in unserer Wahrnehmung arm und man sollte alles dransetzen, um sie von ihrem Leid zu erlösen. Oder? Nein, auch wer krank ist, ist immer noch ein Mensch und kann bzw. will immer noch Entscheidungen über sein/ihr Leben treffen. Es kann die Person geradewegs in die Krise führen, wenn man allzu viel an ihrer Stelle zu entscheiden meint.

Es braucht unheimlich viel Feingefühl, um herauszufinden, worum es dem kranken Menschen geht. Um herauszufinden, ob die Person einfach nur einen Rappel hat oder ob sich hinter dem Rappel ein ernstzunehmendes Anliegen verbirgt. So ist man also immer wieder hin- und hergerissen, weil man doch nur eines möchte: Dass es der kranken Person besser gehen möge.

Woran glaube ich also? Ich persönlich halte mich an Paul Auster und die von ihm so virtuos beschriebene Kraft des Zufalls. Mein Vater meinte mehr fragend denn überzeugt glaubend: Es ist schon verständlich, dass man da an die lenkende Hand Gottes glaubt. Woran auch immer es liegt: Ich bin dankbar, über die gute Zeiten, die wir zuletzt miteinander verbringen durften.

Nun steht die nächste Herausforderung bevor, nämlich die USA-Reise anzutreten, während nicht klar ist, wie es mit meinem Vater weitergeht. Ich weiß, dass er nicht nur damit einverstanden, sondern geradezu davon begeistert war, dass ich ihn vertrete. Auch war er damit einverstanden, dass ich die Gelegenheit nutze, meine ehemaligen Wiener NachbarInnen in New York zu besuchen. Und doch fühlt es sich sehr, sehr seltsam an, dass ich die Reise zur Preisverleihung nun alleine antrete und nicht mit meinem Vater und meiner Mutter gemeinsam.

Meine nächste Herausforderung wird also darin bestehen, es auszuhalten, nicht in der Nähe meines Vaters zu sein. Ich versuche mich an letztes Jahr zu erinnern, als es meiner heißgeliebten Oma schlechter ging – und ich mich oft genug gefragt habe, ob ich meinen Auslandsaufenfthalt nicht lieber abbrechen sollte. Und doch war es gut, dass ich mein Leben weitergelebt habe, denn ich konnte dennoch sehr viel Zeit mit ihr verbringen – vieles davon war unheimlich schmerzhaft, vieles aber sehr versöhnlich für mich.

Momentan hören sich die Berichte über den Gesundheitszustand meines Vaters sehr seltsam an, leider hatte er bisher keinen Platz auf der Palliativmedizin. Vielleicht aber liegt er sogar schon dort. Ich wünsche es ihm, denn die zwei Schwestern, die dann für ihn verantwortlich sind, sind wahrlich zwei tolle Frauen. 

Ach, Papa, ich wünsche Dir so sehr, dass du dich erholen kannst. Nein, keine Sorge, wenn Du gehen möchtest, dann fällt es mir zwar unheimlich schwer, aber Dein Frieden ist mir allemal wichtiger.

Ja, wenn Du weiter auf dieser Welt bleiben möchtest, werde ich alles tun, um Dir beiseite zu stehen und dich zu unterstützten. Du wirst bisweilen Geduld brauchen, denn ich werde Dich nicht immer in Deinen Plänen unterstützen können. Aber ich werde mein bestes geben.

Dickes Bussi
Deine Tochter Sonja

Das mit dem Abstand…

Eine Woche Wien: irgendwie wollte ich nicht weg vom See, nicht weg von meinem Vater. Doch mir war bewusst, wie wichtig es ist, dass ich Abstand bekomme. Vor allem musste ich beruflich einiges erledigen, das sich am Weißensee nicht erledigen ließ bzw für das ich nicht die nötige Ruhe finden konnte. Nicht zuletzt freute ich mich darauf, meine FreundInnen wiederzusehen. 

Die Woche ist wie im Flug vergangen, der Abstand aber wollte sich nur im Schneckentempo einstellen. Schon am Abend meiner Ankunft erreichten mich leider schlechte Nachrichten: meinem Vater ging es schlechter, meine Mutter war am Rande der Verzweiflung. Zum Glück war ich in Gesellschaft lieber Menschen, die mir Mut zusprachen. 

Am nächsten Tag ging es ihm etwas besser, was es mir allerdings nicht unbedingt leichter machte, loszulassen. Immer wieder poppte die quälende Frage auf, ob ich nicht doch besser wieder zurückfahren sollte, ob es nicht doch etwas gibt, das ich tun sollte oder könnte. 

Doch während mir all diese Gedanken durch den Kopf gingen, realisierte ich, wie geradezu größenwahnsinnig sie sind. Haben wir nicht einen tollen Hausarzt, der alles tut, um uns zu unterstützen und dem Papa zu helfen? Haben wir nicht eine tolle Pflegerin, die alles tut, um ihm zu helfen, ihn abzulenken und zu versorgen? Ist da nicht meine wunderbare Mutter, die all das in bewundernswerter Art meistert und managed? Vor allem: für wen halte ich mich, dass ich mir einbilde, dass ich meinen Vater retten kann?

Das klingt vorwurfsvoller, als ich es meine. Ich finde all meine Gefanken nur allzu nachvollziehbar. Doch mir darüber bewusst zu werden, dass ich eben nicht allmächtig bin, hat mir sehr geholfen, loszulassen. Klar geworden ist mir das freilich nicht allein, sondern in Gesprächen mit lieben Menschen.

Meine FreundInnen treffen: auch so eine Herausforderung. Denn irgendwie freute ich mich ja sehr, so behandelt wird wie eh und je. Zugleich hatte ich so viel zu erzählen, dass ich gar nicht wusste, wo ich anfangen sollte. Dazu kommt das riesige Bedürfnis, in den Arm genommen zu werden und ein bisschen etwas von der Sicherheit zurückzubekommen, die mir gerade völlig verloren gegangen ist. Bloß will man die eigene Trauer und den eigenen Schmerz anderen nicht aufs Aug drücken, sie mit diesen wahrlich ins Mark gehenden Erlebnissen nicht überfordern.

Während man also dankbar ist, nicht wie ein rohes Ei behandelt zu werden, hadert man damit, dass man am liebsten alles loswerden würde, was man in dieser zugleich harten wie schönen Zeit erlebt hat. So war die Versuchung groß, mich zurückzuziehen – und zwar obwohl ich wusste und weiß, wie sehr mir meine FreundInnen beiseite stehen wollen. Bloß ist da so ein Gefühl, dass man all das nicht so richtig teilen kann. Oder ist es die Angst, nicht verstanden zu werden, enttäuscht zu werden? Und tut man damit den Menschen unrecht, die für eine da sein wollen? Und sind nicht auch sie unsicher, ob sie das Thema ansprechen sollen oder doch lieber Normalität zu leben?

Es ist gar nicht so einfach, sich aus all dem zu befreien. Umso dankbarer bin ich den Menschen, die mir lieb sind, dass sie mir mit so viel Geduld begegnet sind. Zugleich muss ich gestehen, dass ich mich umso mehr danach gesehnt habe, bei meiner Mutter, der Ileana und vor allem bei meinem Vater zu sein, sie zu umarmen und festzuhalten. Denn da war dieses verzweifelte Gefühl, mich momentan nur mit diesen Menschen  so richtig verbunden zu fühlen. Es hat wohl damit zu tun, dass wir in einer solchen Extremsituation sind – und zum Glück schweißt sie uns als Familie zusammen, weil wir genau diesen Zusammenhalt brauchen, um sie bewältigen zu können. Immerhin fühlt man sich in dieser Situation so unendlich allein, so unendlich hilflos, so unheimlich verloren. 

Letzlich bin ich länger in Wien geblieben, als geplant. Nicht lang, aber inmerhin zwei Tage, die sehr wichtig für mich waren. Weil ich dann doch halbwegs zur Ruhe gekommen bin, um immerhin einen wichtigen Teil meiner Arbeit erledigen zu können, so dass ich nun etwas ruhiger bin. Denn zwischendurch hatte ich Sorge, ob ich die erste A&W 2017 wohl auf die Reihe kriegen würde, und begonnen einen Notfallplan zu entwickeln. Ich hoffe sehr, dass es dabei bleibt, dass ich diesen nicht brauche, denn mir macht meine Arbeit einfach wirklich viel Spaß. Wichtig waren die Tage auch, weil ich doch noch ein paar liebe Menschen mehr treffen konnte, als es anfangs den Anschein hatte. Auch das hat mir wahrlich gut getan. Danke Euch einmal mehr, auch jenen, die ich nicht treffen konnte, mit denen ich aber einen mindestens so schönen Gedankenaustausch hatte. 

Impressionen, Gedanken und Nachträge

Das Schicksal wollte es, dass ich seit ungefähr einem Jahr viel Zeit am Weissensee verbracht habe. Der traurige Anlass: Meiner geliebten Großmutter begann es ungefähr vor einem Jahr schlechter zu gehen, bis sie uns am 1. Juni 2016 dann endgültig verlassen hat.

Um die Trauer besser bewältigen zu können und außerdem viel Zeit mit meinem Vater zu verbringen, der leider schwer krank ist, verbrachte ich den Sommer 2016 mehr oder weniger am See.

Zu Weihnachten waren meine Familie und ich leider mit der nächsten Herausforderung konfrontiert: Meinem Vater ging es schlechter, ja, er musste Weihnachten sogar im Krankenhaus verbringen. Für mich war klar: Ab nun hat die Zeit, die ich mit meinem Vater verbringen kann, absolute Priorität.

Also verlegte ich erneut meinen Lebensmittelpunkt an den Weissensee. Als ich dann begann, auf fb Gedanken schreibend zu sortieren, und außerdem jede Menge Bilder postete, lag es auf der Hand, gleich einen eigenen Blog zu machen.

Auf Weissenseestories werde ich meine Gefühle und Gedanken teilen, die die Pflege eines engen Angehörigen mit sich bringen. Außerdem werde ich Bilder von der wunderschönen Natur zeigen, die mir in diesem Prozess immer und immer wieder viel Kraft gibt.

Zunächst werde ich hier ein paar dieser fb-Posts nachtragen. Im Moment bin ich in Wien, um beruflich einige Dinge zu erledigen, die im Lake-Office mit all der tollen Technik nicht aus der Ferne gemacht werden können.

Schon jetzt danke ich meinen KollegInnen sehr dafür, dass sie mich tatkräftig unterstützen, damit ich bisher so viel Zeit mit meinem Vater verbringen konnte, allen voran der wunderbaren Sonja Adler. Mir bedeutet das sehr viel!

Nachtrag: „Improved the human condition…“

„Bioengeneering achievements worldwide that have improved the human condition or had a significant impact on society“: Ich kann diesen Satz gar nicht oft genug lesen. 

Der Countdown läuft jedenfalls, heute in vier Wochen bin ich dann schon in Washington, um morgen in vier Wochen in Vertretung meines Vaters diesen großartigen Preis entgegenzunehmen. 

So sehr ich weiß, dass er da voll dahinter steht, so seltsam erscheint es mir, dass er von Österreich aus zuschauen muss. Aber immerhin, es gibt einen Livestream, vielleicht kann er zumindest ein bisschen daran teilhaben.

Nachtrag: Anstrengung ständiges Suchen

Stresssignale: einer fallen bestimmte Worte nicht ein, dann bestimmte Namen, danach kommt dauerndes Suchen nach den einfachsten Dingen. 

Gestern suchte ich beispielsweise nach meinem Handy, meine Mutter bemühte sich nach Kräften, mir zu helfen, bloß vergaß sie, direkt vor sich auf den Tisch zu schauen – wo mein Handy lag. Was haben wir gelacht! 

Doch so sehr wir es mit Humor nehmen: kaum etwas ermüdet mich mehr, als durchs Haus zu pilgern und alles immer und immer wieder zu durchsuchen, um dann an den einfachsten Orten fündig zu werden. 

Zugleich passt es zu unserer aktuellen Situation, denn wir bemühen uns nach Kräften, weiterhin Wege aus dem Chaos zu finden bzw eine gewisse Ordnung, die wir angesichts der Realitäten ohnehin dauernd über den Haufen werfen müssen. Wahrlich eine schwierige Zeit, die meine Mutter und ich gerade durchleben!

Nachtrag: Nicht mit Tortilla-Chips heizen

Note to myself: keine Tortilla-Chips in den Ofen geben, die wollen dann Popcorn werden und das klingt anfangs ziemlich besorgniserregend, schon gar, wenn man nicht mehr weiß, dass man sie vorher da hineingegeben hat – und rätselt, was zur Hölle das verrückte Krachen im Kachelofen wohl sein könnte. #wunderdesalltags

Nachtrag: Sch*** Achterbahnen und wundervolle Menschen

Achterbahnen: was hab ich sie immer gemieden, wie oft musste ich es aushalten, Spielverderberin zu sein, weil mir das weniger Angst machte, als in den verfluchten Wagen einzusteigen. Weil ich die Selbständigkeit in einem Gespräch mit einer Freundin mal mit der Achterbahn verglichen habe und spaßhalber meinte, dass ich vielleicht endlich mal in den verfluchten Wagen einsteigen sollte, hat sie mir zum Geburtstag eine gemeinsame Fahrt geschenkt. Bisher habe ich das Geschenk nicht eingelöst, die Angst war wohl immer noch zu groß. 

Nach allem, was ich seit Weihnachten duchlebt habe, nach allem, was ich seit dem 30.1. erlebe, seitdem mein Vater wieder aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen ist, freu ich mich jetzt schon so richtig auf diese Achterbahnfahrt mit dieser wundervollen Freundin. Denn inzwischen habe ich realisiert, dass in all diesen Höhen und Tiefen zwar sehr viel steckt, das in der Tat Angst machen kann. Zugleich können Leid und Glück auf eine geradezu unvorstellbare Art nebeneinander liegen. Unvorstellbar deshalb, weil sie sich in unglaublich kurzer Zeit ablösen können. Und genau das kann unvorstellbare Kräfte mobilisieren.

Ein anderer wundervoller Freund sagte mir kürzlich, wie sehr ihn meine Erzählungen berührten: „das ist Leben in einer unglaublichen Intensität – wie schön, dass Dein Vater Euch so nah dazu lässt.“ Eine weitere wundervolle Freundin, die leider durch Ähnliches durchgehen musste, predigte mir geradezu: Verbringe Zeit so viel Zeit mit ihm wie möglich. Das ist das einzige, das zählt. Ja! Ja! Und nochmal ja kann ich dazu nur sagen. So schmerzhaft das auch immer wieder sein mag – was ich gerade mit meinem Vater erlebe, ist auf so vielen Ebenen lehrreich, berührend, aufrührend, spaßig, schmerzhaft und so vieles mehr, das ich nicht in Worte zu fassen vermag. Ich kann nur sagen: so stelle ich mir inzwischen eine Achterbahnfahrt vor, mit dem entscheidenden Unterschied, dass es auf der Achterbahn um nichts geht. 

Zugleich gibt es eine entscheidende Parallele: wenn man versteht, dass es im Leben um nichts anderes geht, als immer wieder dazu zu lernen, wie man Höhen genießt und aus ihnen Kraft schöpft, und wie man genau diese Kraft verwenden kann, um auch die tiefen Täler zu durchschreiten – und wie man aus all diesen Erfahrungen etwas lernen oder mitnehmen kann, auf dass man die Achterbahnfahrt umso bewusster erleben kann. Auf dass man die Hoffnung nicht verliert, wenn man tief unten ist. Auf dass man es sich erlaubt, es in vollen Zügen zu genießen, wenn man ganz oben ist. Denn während man all das bewusst durchlebt, lernt man so unheimlich viele neue Lektionen in Demut, dass ich mich frage, ob ich mir Gedanken darüber machen sollte, ob ich nicht zu dankbar für die kleinsten Dinge bin.

Erst kürzlich habe ich versucht, meinem Vater Mut zu machen, weil es viele, viele Gründe gibt, um sehr optimistisch zu sein. Er fragte mich daraufhin, ob ich Missionarin geworden bin. Ich gebe zu, dass ich mich manchmal frage, ob ich völlig verrückt geworden bin, weil mir so viele Lebensweisheiten durch den Kopf gehen, die man vielleicht esoterisch nennen kann. Deshalb sind mir so manche Gedanken tatsächlich unheimlich. Nur habe ich beschlossen, mir darüber nicht weiter den Kopf zu zerbrechen, weil ich sonst vielleicht wirklich noch verrückt werden würde.

Zurück zur Achterbahn: was ich gelernt habe ist, dass Angst oder vielleicht vielmehr Respekt unheimlich wichtig ist, weil man im echten Leben tatsächlich nie weiß, ob es einen nach einem Tiefschlag wirklich wieder in neue Höhen führt. Vor allem habe ich gelernt, dass man in Wahrheit nie weiß, wie es weitergeht und vor allem, wie lange. Das einzige, woran man sich wahrlich festhalten kann ist, dass man nie weiß, was kommt und sich immer wieder eine Überraschung hinter der nächsten Ecke verstecken kann.

Darin besteht zugleich die größte Herausforderung: zu lernen, es auszuhalten, dass man einfach nicht weiß, was die Zukunft bringt. Aushalten: das ist ein so strenger Begriff. Es geht darum zu lernen, dass der Tod immer und überall lauern kann, aber vielleicht doch erst später die Sense schwingt, als man befürchtet hat. Umso mehr sollte man wahrlich jeden Tag genießen, was auch immer man als Genuss definiert, denn das bedeutet nicht für jede/n Champagner und Kaviar. 

Es lohnt sich wirklich sehr, für sich selbst herauszufinden, was die gesellschaftlich als Luxus definierten Produkte Champagner und Kaviar für eine/n selbst sind. Da kann herauskommen, dass man die selbst definierten Luxusgüter um kein Geld der Welt kaufen kann. Zumindest bei mir ist es so. Ich lerne so viel, erlebe so viel – das ist einfach unbezahlbar. All dem sei hinzugefügt: ich muss mir aktuell ***aufholzklopf*** keine Sorgen um meine Existenz machen, und ich habe wahrlich tolle Menschen im Hintergrund, die mich auf eine sehr berührende Art und Weise unterstützen. Danke, Ihr gebt mir wahrlich viel Kraft! ❤️❤️❤️

Nachtrag: Tröstende Worte

Auf das fb-Post, in dem ich die wunderbare Nachricht weitergereicht habe, dass mein Vater mit dem Nobelpreis für Ingenieurwissenschaften ausgezeichnet wurde, erhielt ich viele tolle Reaktionen. Danke an dieser Stelle an all die vielen GratulantInnen! 

Im Forum entsponn sich ein Dialog, den ich hier gerne wiedergeben möchte, weil er mich so berührt hat:

Elisabeth Steiner: Das ist ja Wahnsinn Sonja! Ganz herzlichen Glückwunsch!!!! Deinem Vater! Es zahlt sich aus eigenwillig seinen Weg zu gehen!!! Nur wer seinem eigenen Weg folgt kommt an SEIN Ziel!Sonja Fercher: Vielen Dank für die lieben Worte, Elisabeth Steiner. 

Ja, seinen eigenen Weg ist mein Vater wahrlich gegangen, angefangen von einer Kindheit in kargen Bedingungen, aber trotzdem auch mit viel Freude. Vom kleinen Dorf Greifenburg ging es weiter über Klagenfurt nach Wien zum Studium. Auch das war nicht unbedingt vorgezeichnet für ihn. 

Dass er es über Oberkochen, Essen nach Wien und dort bis in die Höhen der internationalen Wissenschaft geschafft hat, ist wirklich eine reife Leistung. Dass er dennoch nie vergessen hat, wie schwer das Leben zunächst als Kind und dann als Wandernder war, liebe ich sehr an ihm.

Es ist jedenfalls der Hintergrund auch für mein Engagement für Flüchtlinge und MigrantInnen sowie für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Es hat mich sehr berührt, als ich gehört habe, dass er mit Dir Kontakt aufgenommen hat, um herauszufinden, was bei Euch gebraucht werden könnte, auch wenn das wegen seiner Erkrankung wohl wieder in den Hintergrund getreten ist. Er freut sich sicher, von Dir zu hören.

Elisabeth Steiner: Liebe Sonja. Dein Vater ist ein grossartiger Mensch, der weiss dass eine große Begabung vor allem eines haben muss: Nämlich Demut! Demut vor dem was grösser ist als man selbst, als das eigene Talent! Diese Erkenntnis ist allen großen Menschen eigen. Und das ist eine Erkenntnis, dass auch das Grosse in jedem Menschen ist. Unabhängig von Stand, Rasse, Geschlecht, Alter und allem was unserere Unterschiede ausmachen! Manchmal ist es verschüttet, manchmal bricht es wie ein Vulkan hervor, manchmal bleibt es ein Lwben lang verborgen. 

Wann der richtige Zeitpunkt ist, entscheiden nicht wir! Es ist ein Zufall verschiedenster Ereignisse, den wir nicht bestimmen können. Und auch deshalb ist jeder Mensch groß und wertvoll. Und genau das ist für mich die Basis aller Menschenrechte…. Machs gut liebe Sonja und vielleicht brauchst mich wieder einmal. Einfach so!!!!

Sonja Fercher: ❤️ ich denk immer wieder dran, dass ich den Bärenwirt gern wieder einmal besuchen würd. Nachdem meine Großmutter gestorben ist, hatten wir viel Kleidung abzugeben, aber Weitensfeld ist halt dann doch ein Eutzerl zu weit für uns. Aber es gibt ja auch in Oberkärnten Flüchtlinge und so hat meine Mutter viele Sachen nach Irschen gebracht. 

Weil mein Vater für die Chemotherapie immer wieder nach Lienz musste und meist vom Roten Kreuz transportiert wurde und dann die BegleiterInnen ausgefratschelt hat, ist er oft mit Geschichten über die Lage dort zurückgekommen. Was er da so erzählt hat, war wirklich toll: anders als es das Vorurteil über Kärnten will, passiert auch hier sehr viel, das wiederum mir sehr viel Mut gemacht hat bzw mich in meinem m Optimismus bestärkt hat, dass es immer und überall sehr engagierte Menschen gibt, die sich für andere einsetzen, die in Not sind, und dass es wiederum viele weitere Menschen gibt, die demgegenüber sehr aufgeschlossen sind – und damit auch andere zum Nachdenken bringen können, so dass ein konstruktives Gespräch möglich wird und somit auch Lösungen, so dass in letzter Hinsicht ein gedeihliches Zusammenleben möglich wird. 

Gedeihlich ist so ein seltsames Wort, denn es klingt zu sehr nach Friede, Freude, Eierkuchen. So verstehe ich es nicht, denn wo Menschen zusammenleben, sind Konflikte vorprogrammiert. Wenn aber erst einmal Kommunikation ermöglicht wurde, müssen Konflikte kein Drama mehr sein, sondern einfach nur Probleme, für man gemeinsam eine Lösung finden muss, die aber sicherlich möglich ist. 

Hui, jetzt hab ich den Faden verloren. Mir spukt grad wirklich so viel im Kopf rum, dass ich das manchmal einfach ausspucken muss, um wieder weiterzukommen.

Ach ja, Demut. Meinem Vater war immer die Sache wichtig und er schätzt Menschen, die ihr Ding machen, ohne sich dauernd auf die Brust zu klopfen und zu viel Ellenbogen einzusetzen. Auch das schätze ich unheimlich an ihm – und es hat auch mir Mut gemacht, meinen eigenen Weg zu finden bzw zu gehen, auch wenn er aus väterlicher Sorge oft gar nicht glücklich war, welche Abzweigungen ich genommen habe. 

Trotz allem hat er mich immer spüren lassen, dass er mich nach Kräften unterstützen wird, sollte es doch in die Hose gehen. 

Ich will meine Mutter keinesfalls unerwähnt lassen, denn sie ist meinem Vater durch dick und dünn gegangen, und auch sie ist ein sehr demütiger bzw dankbarer Mensch. In dieser Kombination werden Dinge möglich, die fast an Wunder glauben lassen. Oje, jetzt hab ich mich schon wieder verirrt. Umso mehr danke, liebe Elisabeth, denn meine aktuelle Logorrhoe hat etwas wahrlich befreiendes für mich.

Die Antwort von Elisabeth war für mich unheimlich berührend und bestärkend. Wiedergeben möchte ich sie aber nicht, dazu ist sie viel zu persönlich. Es ist mir ohnehin schwer gefallen, mich öffentlich zu all dem zu äußern, was ich gerade erlebe. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, vieles öffentlich zu teilen, was durch meinen Kopf geht, eben weil Schreiben für mich so wichtig ist – und die Herausforderung, vor die ich gerade gestellt werde, so groß ist, dass ich jede Kraftquelle brauchen kann. 

Ich schätze mich wahrlich glücklich, so viele liebe Menschen zu kennen, die mir auch via fb so viel Mut machen. Rückblickend war es von daher eine gute und wichtige Entscheidung, dass ich mich nicht zurückgezogen habe, sondern vielmehr zunächst über fb geteilt habe, was ich erlebe und fühle. 

Dazu möchte ich aber ergänzen: Ich schreibe im Moment sehr viel, vieles davon ist mir aber zu intim, als dass ich es öffentlich teilen möchte – aus Respekt vor meinem Vater und uns als Familie. Es ist wahrlich eine schwierige Phase, und doch gibt es so viele positive Erlebnisse, die uns immer wieder Mut machen, nicht zuletzt solche Dialoge wie jener mit Elisabeth Steiner: vielen, vielen Dank dafür!