Nachtrag: Tröstende Worte

Auf das fb-Post, in dem ich die wunderbare Nachricht weitergereicht habe, dass mein Vater mit dem Nobelpreis für Ingenieurwissenschaften ausgezeichnet wurde, erhielt ich viele tolle Reaktionen. Danke an dieser Stelle an all die vielen GratulantInnen! 

Im Forum entsponn sich ein Dialog, den ich hier gerne wiedergeben möchte, weil er mich so berührt hat:

Elisabeth Steiner: Das ist ja Wahnsinn Sonja! Ganz herzlichen Glückwunsch!!!! Deinem Vater! Es zahlt sich aus eigenwillig seinen Weg zu gehen!!! Nur wer seinem eigenen Weg folgt kommt an SEIN Ziel!Sonja Fercher: Vielen Dank für die lieben Worte, Elisabeth Steiner. 

Ja, seinen eigenen Weg ist mein Vater wahrlich gegangen, angefangen von einer Kindheit in kargen Bedingungen, aber trotzdem auch mit viel Freude. Vom kleinen Dorf Greifenburg ging es weiter über Klagenfurt nach Wien zum Studium. Auch das war nicht unbedingt vorgezeichnet für ihn. 

Dass er es über Oberkochen, Essen nach Wien und dort bis in die Höhen der internationalen Wissenschaft geschafft hat, ist wirklich eine reife Leistung. Dass er dennoch nie vergessen hat, wie schwer das Leben zunächst als Kind und dann als Wandernder war, liebe ich sehr an ihm.

Es ist jedenfalls der Hintergrund auch für mein Engagement für Flüchtlinge und MigrantInnen sowie für soziale Gerechtigkeit und Chancengleichheit. Es hat mich sehr berührt, als ich gehört habe, dass er mit Dir Kontakt aufgenommen hat, um herauszufinden, was bei Euch gebraucht werden könnte, auch wenn das wegen seiner Erkrankung wohl wieder in den Hintergrund getreten ist. Er freut sich sicher, von Dir zu hören.

Elisabeth Steiner: Liebe Sonja. Dein Vater ist ein grossartiger Mensch, der weiss dass eine große Begabung vor allem eines haben muss: Nämlich Demut! Demut vor dem was grösser ist als man selbst, als das eigene Talent! Diese Erkenntnis ist allen großen Menschen eigen. Und das ist eine Erkenntnis, dass auch das Grosse in jedem Menschen ist. Unabhängig von Stand, Rasse, Geschlecht, Alter und allem was unserere Unterschiede ausmachen! Manchmal ist es verschüttet, manchmal bricht es wie ein Vulkan hervor, manchmal bleibt es ein Lwben lang verborgen. 

Wann der richtige Zeitpunkt ist, entscheiden nicht wir! Es ist ein Zufall verschiedenster Ereignisse, den wir nicht bestimmen können. Und auch deshalb ist jeder Mensch groß und wertvoll. Und genau das ist für mich die Basis aller Menschenrechte…. Machs gut liebe Sonja und vielleicht brauchst mich wieder einmal. Einfach so!!!!

Sonja Fercher: ❤️ ich denk immer wieder dran, dass ich den Bärenwirt gern wieder einmal besuchen würd. Nachdem meine Großmutter gestorben ist, hatten wir viel Kleidung abzugeben, aber Weitensfeld ist halt dann doch ein Eutzerl zu weit für uns. Aber es gibt ja auch in Oberkärnten Flüchtlinge und so hat meine Mutter viele Sachen nach Irschen gebracht. 

Weil mein Vater für die Chemotherapie immer wieder nach Lienz musste und meist vom Roten Kreuz transportiert wurde und dann die BegleiterInnen ausgefratschelt hat, ist er oft mit Geschichten über die Lage dort zurückgekommen. Was er da so erzählt hat, war wirklich toll: anders als es das Vorurteil über Kärnten will, passiert auch hier sehr viel, das wiederum mir sehr viel Mut gemacht hat bzw mich in meinem m Optimismus bestärkt hat, dass es immer und überall sehr engagierte Menschen gibt, die sich für andere einsetzen, die in Not sind, und dass es wiederum viele weitere Menschen gibt, die demgegenüber sehr aufgeschlossen sind – und damit auch andere zum Nachdenken bringen können, so dass ein konstruktives Gespräch möglich wird und somit auch Lösungen, so dass in letzter Hinsicht ein gedeihliches Zusammenleben möglich wird. 

Gedeihlich ist so ein seltsames Wort, denn es klingt zu sehr nach Friede, Freude, Eierkuchen. So verstehe ich es nicht, denn wo Menschen zusammenleben, sind Konflikte vorprogrammiert. Wenn aber erst einmal Kommunikation ermöglicht wurde, müssen Konflikte kein Drama mehr sein, sondern einfach nur Probleme, für man gemeinsam eine Lösung finden muss, die aber sicherlich möglich ist. 

Hui, jetzt hab ich den Faden verloren. Mir spukt grad wirklich so viel im Kopf rum, dass ich das manchmal einfach ausspucken muss, um wieder weiterzukommen.

Ach ja, Demut. Meinem Vater war immer die Sache wichtig und er schätzt Menschen, die ihr Ding machen, ohne sich dauernd auf die Brust zu klopfen und zu viel Ellenbogen einzusetzen. Auch das schätze ich unheimlich an ihm – und es hat auch mir Mut gemacht, meinen eigenen Weg zu finden bzw zu gehen, auch wenn er aus väterlicher Sorge oft gar nicht glücklich war, welche Abzweigungen ich genommen habe. 

Trotz allem hat er mich immer spüren lassen, dass er mich nach Kräften unterstützen wird, sollte es doch in die Hose gehen. 

Ich will meine Mutter keinesfalls unerwähnt lassen, denn sie ist meinem Vater durch dick und dünn gegangen, und auch sie ist ein sehr demütiger bzw dankbarer Mensch. In dieser Kombination werden Dinge möglich, die fast an Wunder glauben lassen. Oje, jetzt hab ich mich schon wieder verirrt. Umso mehr danke, liebe Elisabeth, denn meine aktuelle Logorrhoe hat etwas wahrlich befreiendes für mich.

Die Antwort von Elisabeth war für mich unheimlich berührend und bestärkend. Wiedergeben möchte ich sie aber nicht, dazu ist sie viel zu persönlich. Es ist mir ohnehin schwer gefallen, mich öffentlich zu all dem zu äußern, was ich gerade erlebe. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, vieles öffentlich zu teilen, was durch meinen Kopf geht, eben weil Schreiben für mich so wichtig ist – und die Herausforderung, vor die ich gerade gestellt werde, so groß ist, dass ich jede Kraftquelle brauchen kann. 

Ich schätze mich wahrlich glücklich, so viele liebe Menschen zu kennen, die mir auch via fb so viel Mut machen. Rückblickend war es von daher eine gute und wichtige Entscheidung, dass ich mich nicht zurückgezogen habe, sondern vielmehr zunächst über fb geteilt habe, was ich erlebe und fühle. 

Dazu möchte ich aber ergänzen: Ich schreibe im Moment sehr viel, vieles davon ist mir aber zu intim, als dass ich es öffentlich teilen möchte – aus Respekt vor meinem Vater und uns als Familie. Es ist wahrlich eine schwierige Phase, und doch gibt es so viele positive Erlebnisse, die uns immer wieder Mut machen, nicht zuletzt solche Dialoge wie jener mit Elisabeth Steiner: vielen, vielen Dank dafür! 

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